Das österreichische Bauunternehmen Swietelsky und die Beteiligung an der „Straße der SS“
Von:
Raphaela M. Bollwein
Die Bauwirtschaft des NS-Regimes legte den Grundstein für die erfolgreiche Etablierung zahlreicher Unternehmen, von denen viele bis heute tätig sind. Dazu gehört auch Swietels-ky, ein österreichisches Unternehmen, dessen internationale Tätigkeit auf dem Einsatz von jüdischen Zwangsarbeitern beruhte, die während des Zweiten Weltkrieges für den Profit der Firma ausgebeutet wurden. Eine exzessive Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten, maß-lose Gebietsansprüche sowie Unternehmer, die im Dienst des Deutschen Reiches wirkten, ermöglichten die „Vernichtung durch Arbeit“ auf den Baustellen innerhalb und außerhalb des Deutschen Reiches. Über einen Zeitraum von 75 Jahren wurde dieser Aspekt in den Un-ternehmensdarstellungen nicht berücksichtigt.
Die historische Einordnung einer Private Military Company
Von:
Grischa Sutterer
Die Gruppe Wagner stand seit dem gescheiterten Putsch im Juni 2023 im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Vor dem Hintergrund der geschichtswissenschaftlichen Forschung zu privatisierten Gewaltorganisationen ordnet dieser Aufsatz die Gewaltgemeinschaft Wagner in längere historische Entwicklungslinien ein. Er behandelt die Entstehung der Private Military Company (PMC) Wagner, ihre militärische Struktur, ihre Gewaltpraktiken sowie die Funktion dieses Gewaltakteurs im geostrategischen Ausgreifen Russlands und ihre Einbindung in das Machtgeflecht des russischen Staates.
Millionen von Angehörigen der Roten Armee gerieten während des Zweiten Weltkriegs in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mehreren Tausend gelang die Flucht in die Schweiz. Sie spielten bei der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Sowjetunion eine zentrale Rolle. In der Sowjetunion wiederum waren die (ehemaligen) Kriegsgefangenen mit dem kollektiven Vorwurf des Verrats konfrontiert. Der Workshop diskutierte Kriegsgefangenschaft, schweizerische Internierungspraxis und Fragen der Repatriierung in ihrer Verflechtung.
Zwischen 1941 und 1945 dienten achthunderttausend bis eine Million Frauen in der Roten Armee. Um ihren Einsatz rankten sich innerhalb der Wehrmacht bereits zu Beginn des Krieges an der Ostfront Mythen und Vorurteile. Sie basierten zumeist auf stereotypischen Geschlechtervorstellungen der Propagandaabteilungen des Deutschen Reiches und wirkten sich auch auf den völkerrechtlichen Umgang deutscher Truppen mit diesen Frauen im Dienst des sowjetischen Militärs aus.
Die 2023 erschienene Monographie bietet eine historische Einordnung des Russisch-Ukrainischen Krieges seit 2014, skizziert den Verlauf des ersten Kriegsjahres nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 sowie dessen Auswirkungen und wagt einen Blick auf die zukünftigen Entwicklungen internationaler Machtverhältnisse.
Der IS-2 war die sowjetische Antwort auf die deutschen „Panther“ und „Ferdinande“, die im Sommer 1943 erstmals zum Einsatz kamen. Peter Samsonov stellt in seinem Buch die Entwicklung des IS-2 dar, bietet aber auch einen Überblick über die gesamte Entwicklung schwerer sowjetischer Panzer von den 1920er-Jahren bis 1945.
Johannes Thanner zog als Gefreiter in den Zweiten Weltkrieg. Er sammelte Bilder, wahrscheinlich von ihm selbst erstellte Fotografien über den Verlauf des Konfliktes aus der Sicht des einfachen Soldaten. Seine Perspektive war jedoch weder einfach noch objektiv. Ein Beitrag zur Visual History der Wehrmachtsoldaten.
X. Teil: Krieg in der Ukraine – Zur Schlag- und Symbolkraft des Panzers und den historischen Hintergründen der Debatte über Panzerlieferungen an die Ukraine
Von:
Gundula Gahlen
Die Ukraine erbat sich schon eine Woche nach Kriegsbeginn Anfang März 2022 Kampfpanzer westlicher Bauart. Lange Zeit wurden von der deutschen Regierung entsprechende Lieferungen ausgeschlossen. Nach wochenlangen politischen und öffentlichen Debatten erfolgte am 25. Januar 2023 die deutsche Zusage zur Lieferung von modernen Leopard-Panzern. Über die Schlag- und Symbolkraft des Panzers und die historischen Hintergründe der politischen und öffentlichen Debatte über Panzerlieferungen an die Ukraine gibt der Potsdamer Historiker Markus Pöhlmann Auskunft, der mit seiner Habilitationsschrift ein Grundlagenwerk zur Geschichte des Panzers in Deutschland bis 1945 vorgelegt hat.
IX. Teil: Krieg in der Ukraine – Die nordosteuropäische Dimension
Von:
Jannes Bergmann/Paul Fröhlich
Die Auswirkungen der russischen Invasion in der Ukraine sind weit über die Grenzen hinaus in ganz Europa spürbar. Die durch den Krieg motivierten Anträge Schwedens und Finnlands für den Beitritt zur NATO bedeuten einen entscheidenden Kurswechsel in der Politik der beiden nordischen Länder und werden für die europäische Sicherheitspolitik im Ostseeraum und den baltischen Staaten langfristige Folgen haben. Der neunte Teil der Themenreihe „Krieg in der Ukraine“ dreht sich um die Auswirkungen des Krieges in Nordosteuropa und die besonderen historischen Vorbedingungen, die diesen Raum und die Politik der dortigen Staaten geprägt haben. Dazu befragen wir Prof. Dr. Ralph Tuchtenhagen, der als Professor für Skandinavistik/Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrt und zur gemeinsamen Geschichte der nordeuropäischen Länder, des Baltikums sowie des nördlichen Russlands seit der frühen Neuzeit forscht.
VIII. Teil: Krieg in der Ukraine – Folgen für die Geschichtswissenschaft
Von:
Jannes Bergmann/Wencke Meteling
In unserem Interview mit Prof. Dr. Klaus Gestwa, dem Leiter des Instituts für Osteuropäische Geschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen, sprechen wir über einen ganz anderen Aspekt des gegenwärtigen Krieges in der Ukraine, der in der gegenwärtigen öffentlichen und politischen Berichterstattung kaum im Fokus steht. Er betrifft unmittelbare und längerfristige Auswirkungen des Krieges auf die Osteuropäische Geschichte als akademische Subdisziplin.