Daniel R. Bonenkamp, Friederike C. Hartung, Wencke Meteling
Miszelle
Veröffentlicht am: 
06. November 2023
DOI: 
https://doi.org/10.15500/akm.06.11.2023a

Dass Männlichkeit im Militär eine überragende Rolle spielt, ist wenig überraschend. Umso erklärungsbedürftiger ist, dass sich die Militärgeschichte hierzulande lange Zeit so schwer mit geschlechterhistorischen Ansätzen getan hat. Denn Militär und Männlichkeit gehen ja nicht einfach ineinander auf, noch weniger tun dies Krieg und Männlichkeit. Außerdem mag man fragen, von welcher Männlichkeit denn die Rede ist, gab und gibt es doch konkurrierende Vorstellungen und Praktiken militärischer Männlichkeit. Diese stehen wiederum in Beziehung zu unterschiedlichen Weiblichkeiten – Idealbildern von Weiblichkeit, aber auch Hassbildern wie dem Flintenweib.

Die Beiträge des vorliegenden Themenschwerpunktes gehen zurück auf die Tagung „Der Krieg hat kein Geschlecht, das Militär schon? Militär. Geschichte. Geschlecht.“, die das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) im November 2022 in Potsdam veranstaltet hat. Was lange Zeit überfällig war, ist damit eingetreten: Als die zentrale deutsche Einrichtung zur historischen und sozialwissenschaftlichen Erforschung des Militärischen hat sich das ZMSBw der Geschlechtergeschichte als Themenfeld und analytische Perspektive geöffnet. Die hier präsentierten Aufsätze vermitteln einen Eindruck von der Bandbreite der Fragestellungen, Untersuchungsgegenstände und analytischen Blickwinkel, die sich der militärhistorischen Forschung bieten, wenn sie Geschlecht als eine konstitutionelle Dimension alles Militärischen begreift und folgerichtig als eine wesentliche Untersuchungsachse und/oder -perspektive miteinbezieht.

Die Beiträge spannen zeitlich den Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart; sie behandeln überwiegend, aber nicht ausschließlich das Deutsche Reich bzw. Deutschland. Inhaltlich bieten sie neben eindrucksvollen Fallbeispielen wertvolle analytische Anregungen zum Verhältnis von Konstruktion, Praxis, Erfahrung und Erinnerung von Geschlecht im Militärischen. Neben dem Schwerpunkt Männlichkeiten verdeutlichen die Aufsätze, wie divers Frauenrollen in der Geschichte von Krieg und Militär waren: Soldatinnen, Kriegsgefangene, Sex-Zwangsarbeiterinnen, Besatzerinnen oder Soldatenfrauen, um nur einige zu nennen. Der Themenschwerpunkt versteht sich als ein Plädoyer für die Kriegs- und Militärgeschichte, den vielschichtigen und folgenreichen Prozessen der Vergeschlechtlichung und Sexualisierung nachzuspüren.

 

Aufsätze:

Friederike C. Hartung und Claudia Kemper, Mehr Geschlechtergeschichte des Militärischen wagen. Einleitung zum Themenschwerpunkt „Militär, Krieg und Geschlecht“ (link)

Linus Birrel, Die Inszenierung soldatischer Männlichkeit durch nationalrevolutionäre Autoren im Umfeld des Stahlhelm 1925/26 (link)

Robert Sommer, Absolute Kontrolle männlicher Sexualitäten. Das NS-staatliche Bordellsystem in Kriegszeiten (1939–1945) (link)

Carolin Kaiser, Ehrlose Söldner oder aufrechte Soldaten? Berufssoldatentum und militärische Männlichkeiten in der Weimarer Republik (link)

Luisa Eckert, Eine genderperspektivische Betrachtung des Kombattantinnenstatus sowjetischer Soldatinnen vor dem Hintergrund des Feindbildes Flintenweib (link)

Daniel R. Bonenkamp, „Die Hauptfrau gab es nur in Witzen.“ Zum Verhältnis von Militär und Geschlecht im Ministerium für Staatssicherheit (link)

Viktoria Wind, Arbeiter und Soldaten. Männlichkeitsdiskurse in der Kriegsberichterstattung der sozialdemokratischen Arbeiter Zeitung während des Ersten Weltkriegs

Daniel Gunz, Queering the Military oder Weshalb es eine queere Militärgeschichte braucht

 

Zitierempfehlung

Daniel R. Bonenkamp, Friederike C. Hartung, Wencke Meteling, Zum Auftakt des Themenschwerpunkts "Militär, Krieg und Geschlecht", in: Portal Militärgeschichte, 06. November 2023, DOI: https://doi.org/10.15500/akm.06.11.2023a (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu).