Niklas Netzer
Buchbesprechung
Veröffentlicht am: 
02. Februar 2026
DOI: 
https://doi.org/10.60658/mug.v15i1.47

Dewid Laspe legt mit seinem Buch „Marathon und Salamis – Die Entscheidungsschlachten der Perserkriege“ eine ausführliche militärhistorische Untersuchung zum Konflikt zwischen dem Achaemenidischen Persien und dem von Sparta und Athen angeführten Hellenenbund während des fünften vorchristlichen Jahrhunderts vor. Die Arbeit – die überarbeitete Veröffentlichung einer 2024 in Bielefeld anerkannten Dissertation – steckt sich selbst das Ziel, mit den Mitteln der historischen Methode und militärischer Sachkritik die Gründe für die persischen Niederlagen in den Schlachten von Marathon (490 v. Chr.) und Salamis (480 v. Chr.) zu eruieren.

Die Untersuchung verdankt sich in ihrem Ansatz vor allem der Arbeit von Hans Delbrücks und Noah Whatley1, trägt aber in ihrer Ausführung und ihren Schlussfolgerungen der neueren, auch englischsprachigen Forschung Rechnung. Exemplarisch sei hier auf das von Laspe in der Konklusio genannte 2018 in Boston und Leiden erschienene Werk des niederländischen Historikers Roel Konijnendijk „Classical Greek Tactics: A Cultural History“ hingewiesen.

In einer methodischen Einführung (S. 11–33) setzt sich Laspe mit der Begrifflichkeit der Entscheidungsschlacht auseinander. Die Kategorie definiert er hierbei, unabhängig von der Anzahl der teilnehmenden Kombattanten, als ein Gefecht, durch dessen Ausgang die strategische Initiative von einer Seite auf die andere wechselt.2 Laspe charakterisiert somit Marathon und Salamis als Entscheidungsschlachten, da in beiden Fällen die Perser durch den unglücklichen Ausgang nicht nur ihre strategischen Ziele nicht erreichten, sondern auch die Fähigkeit zur aktiven Durchsetzung dieser Ziele einbüßten. Die Schlacht von Plataiai wird nach dieser Definition ebenso wie jene bei den Thermopylen nicht als Entscheidungsschlacht verstanden, da die Seite mit der strategischen Initiative (bei Plataiai die Griechen, die Perser bei den Thermopylen) in beiden Fällen ihre militärischen Ziele realisierten. In diesem Zusammenhang wäre eventuell die Diskussion durch eine kurze Bezugnahme auf das Clausewitz`sche Konzept der Hauptschlacht3 bereichert worden, ihr Unterbleiben fällt jedoch nicht weiter störend ins Gewicht.

Die verbleibenden 162 Seiten sind in etwa gleichwertig zwischen den Schlachten von Marathon (S. 33–102) und Salamis (S. 103–185) aufgeteilt. Beide Schlachten werden nach gleichem Muster behandelt: Der ihnen vorangehende Feldzug wird in zielführender Kürze behandelt, sodann die strategische Ausgangslage der beiden Seiten vor dem Gefecht und ihre jeweilige Zielsetzung vorgestellt. Im Anschluss fasst Laspe die geographischen Gegebenheiten der Gefechtsfelder zusammen und rekonstruiert schließlich im Lichte des Erarbeiteten den Ablauf beider Schlachten. Im Detail gibt es dabei Abweichungen: So werden im Fall der Schlacht von Marathon, einige archäologische Funde und Befunde genannt und für die Rekonstruktion kontextualisiert, bei Salamis die Angaben der antiken Geographen zu verschiedenen Inseln, die im Laufe der Schlacht von Persern und Griechen besetzt wurden, den heutigen Gegebenheiten zugeordnet. Vor allem die Identität der Insel Psyttaleia, die bei Herodot, Strabon und Plutarch Erwähnung findet,4 wird ausführlich behandelt. In der Forschungskontroverse, ob und falls ja, wie stark sich die Höhe des antiken Meeresspiegels von unserem heutigen Zustand unterscheidet (die Rede ist teilweise von mehreren Metern Unterschied, was in Bezug auf die (See-)Schlacht von Salamis von eminenter Bedeutung wäre, da, je nachdem, von welchem Unterschied ausgegangen wird, Teile des Gefechtsfeldes für die Flotten beider Seiten nicht passierbar wären.), bezieht Laspe keine eigene Position. Darüber hinaus geht Laspe auf einige Episoden in den Quellen, namentlich den Strategenstreit bei der Schlacht von Marathon und die Botschaft(en) des Themistokles an Xerxes, die bei Herodot und Aischylos kolportiert werden,5 ein.

Die Analyse versucht dabei nicht, eine allgemeine Regelmäßigkeit zu konstruieren, um so die griechischen Siege mit einem übergeordneten Konzept zu erklären. So wird hier nicht darauf verfallen, eine allgemeine Überlegenheit der Phalanx über die persische Infanterie zu postulieren, vielmehr wird mit großer Sorgfalt das Geschehen in seiner historischen Einzigartigkeit dargestellt, um die Manöver und Maßnahmen zu isolieren, die in beiden Fällen zum Sieg der Athener und ihrer Verbündeten führten.

Dementsprechend endet die Analyse jedoch etwas lapidar mit der hier paraphrasierten Schlussfolgerung, die Griechen blieben Sieger, da sie durch die strategischen Vorteile der Verteidigungsstellung, Topographie des Schlachtfeldes und die strategische Lage der Perser die Stärken ihrer eigenen Kampfweise nutzen konnten, während es ihnen zugleich gelang, die Perser aktiv an der Nutzung ihrer durchaus vorhandenen eigenen Vorteile zu hindern. Das Verdienst der griechischen Feldherren Miltiades und Themistokles liegt also, so Laspe, vor allem darin, die Vorteile, aber auch die Schwächen ihrer eigenen Stellung, strategischen Position und Kampfweise richtig erkannt zu haben und in ihren Schlachtplänen berücksichtigt zu haben. Die ebenso vorhandenen und erkannten Schwächen, so Laspe, hätten ein griechisches Ausgreifen nach Kleinasien wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.6

Hervorzuheben sind die beigefügten, von Laspe selbst auf Basis von Daten der Europäischen Union angefertigten Karten, die dem Leser helfen, die beschriebenen Vorgänge zu visualisieren und zu verorten. Zu beachten ist freilich, dass hier folglich die moderne, nicht zwingend die antike Küstenlinie abgebildet wird. Die Ausführung in Farbe ist sehr ansprechend und übersichtlich. Die Karten behandeln dabei einzelne Aspekte der Darstellung und sind an den entsprechenden Textstellen in den Fließtext integriert, was die Lektüre ungemein erleichtert. Ebenso einfach wird die sofortige und einfache Kontrolle der Übersetzung ermöglicht, indem, wo im Fließtext eine griechische oder eine lateinische Quelle in Übersetzung zitiert wird, der originale Text in einer Anmerkung auf derselben Seite abgedruckt steht.

Kleinere Monita finden sich im Bereich der Rechtschreibung. Beispielsweise wird der Vorname des Generalmajors Johann August von Eschenburg, dessen Kartenbeitrag in den von Curtius herausgegebenen Karten von Attika und im Archäologischen Anzeiger des Jahres 1889 erschienener Vortrag zu seinen Beobachtungen mehrfach zitiert wird, im Literaturverzeichnis mit „M“ abgekürzt.

In Summe wird die Erklärung der persischen Niederlagen äußerst gelungen. Es handelt sich bei der vorliegenden Arbeit um einen umfassenden, zugleich handlichen und zugänglichen Beitrag, der die überlieferten Quellen in ein überaus schlüssiges Narrativ bündelt, das für die weitere Forschung zu Aspekten der Perserkriege sowie der Entwicklung von Strategie und Taktik im klassischen Griechenland und Persien mit Gewinn verwendet werden kann.

 

Dewid Laspe, Marathon und Salamis. Die Entscheidungsschlachten der Perserkriege, Göttingen 2025, 211 S., ISBN 978-3-525-31165-3, 70,00 €.

  • 1. Vgl. Dewid Laspe, Marathon und Salamis, Die Entscheidungsschlachten der Perserkriege, Göttingen 2025, S. 18–26.
  • 2. Vgl. ebd., S. 14.
  • 3. Siehe hierzu: Carl von Clausewitz, Vom Kriege. IV. Buch Das Gefecht, Kap. Neun, Die Hauptschlacht. Ihre Entscheidung.
  • 4. Siehe hierzu: Herodot VIII, 95; Strabon Geographika IX, 1, 11–15; Plutarch, Aristeides und Cato, 9.
  • 5. Siehe hierzu: Herodot VI, 109; Herodot VIII, 75; Herodot VIII, 110 und Aischylos, Die Perser, 352–362.
  • 6. Vgl. Laspe, Marathon und Salamis, S. 191–193.
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