August 1914. Literatur und Krieg

Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs Marbach
Datum: 
Mittwoch, 16. Oktober 2013 bis Sonntag, 30. März 2014
Ort: 
Marbach am Neckar

Der Elsässer Dichter Ernst Stadler ist 30, als Österreich-Ungarn vier Wochen nach dem Attentat auf dessen Thronfolgerpaar am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg erklärt und einer der ereignisreichsten Monate der Weltgeschichte beginnt: Am 1. August macht Deutschland mobil und erklärt am 3. Frankreich den Krieg, am 4. tritt Großbritannien in den Krieg ein – am Monatsende werden es schon 15 Nationen von Europa bis Japan sein. Doch was ist der August 1914 für die einzelnen Menschen? Wie verhält sich die private Zeit zur historischen Zeit? Was wird in diesen vier Wochen geschrieben? Welche Parallelgeschichten aus dem ersten Weltkrieg der Geschichte finden sich in einem Literaturarchiv – und wie gehen sie bis zum offiziellen Kriegsende am 11. November 1918 weiter?

Stadler, der in Oxford studiert und in Brüssel deutsche Literatur unterrichtet hat, beginnt am 31. Juli ein Kriegstagebuch: "Morgens Einkäufe: Revolver". Am selben Tag, einem Freitag, nimmt der gleichaltrige Franz Kafka in Prag eines seiner zwei Tagebücher in die Hand: "Ich habe keine Zeit. Es ist allgemeine Mobilmachung. K. und P. sind einberufen. Jetzt bekomme ich den Lohn des Alleinseins. Alleinsein bringt nur Strafen." Nie zuvor in der Geschichte wurde so viel geschrieben wie im August 1914, nichts scheint (außer vielleicht die Liebe) das Schreiben so notwendig zu machen wie der Krieg.

Stadler und Kafka sind nur zwei der Autoren, deren Tagebücher oder tagebuchähnlichen Briefwechsel in der Ausstellung wiederholt aufgeschlagen werden – der August 1914 wird Tag für Tag aus dem Archiv geholt, der Zeitraum danach stichprobenartig. "Zeit" lässt sich aus diesen meist kleinformatigen Büchern und Briefen sehr persönlich und konkret entfalten: Sie sind für ihre Schreiber und Leser Formen der Dauer, aber auch des kurzen, manchmal sogar letzten Augenblicks. Jedes Tagebuch, jeder Brief ist für sich ein eigener historischer Erfahrungsraum, alle zusammen sind sie eine Begegnung mit den vielen Stimmen dieses ungeheuren Krieges.

Ein Marbacher Magazin begleitet die Ausstellung, die durch eine Truppenbücherei ergänzt wird, die mit Unterstützung der DFG für die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach rekonstruiert worden ist.

Die Marbacher Ausstellung ist Teil eines Kooperationsprojekts mit den Bodleian Libraries in Oxford, wo Kafkas Tagebücher liegen, und der Bibliothèque nationale et universitaire in Straßburg, wo Ernst Stadler sein Kriegstagebuch begonnen hat. Zwischen 2013 und 2015 zeigen im Rahmen der Kooperation "Krieg in den Archiven" drei verschiedene Ausstellungen an drei unterschiedlichen Orten national unterschiedliche Archiv-Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg. Kafkas Tagebücher konnten im Rahmen dieser Kooperation aus Oxford nach Marbach ausgeliehen werden und Straßburg stellt In Marbach seine Sammlung von Schützengrabenzeitungen vor. Im Sommer 2014 gehen dann Stücke aus dem Nachlass von Ernst Stadler in die Ausstellungen nach Oxford (The Great War: Personal Stories from Downing Street to the Trenches) und Straßburg (1914. La mort des poètes), während in Marbach in einer zweiten Ausstellung den Krieg als Teil eines großen privaten Bilderapparats der Moderne zeigen: Die Reise. Fotos von unterwegs.

Ausstellungsort:  Literaturmuseum der Moderne, Schillerhöhe 8 –10, 71672 Marbach am Neckar

Öffnungszeiten:  Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 – 18 Uhr, Heiligabend, erster Weihnachtsfeiertag und Silvester geschlossen

Eintrittspreise: Einzelbesucher: € 9,- / ermäßigt € 7,-

Freien Eintritt erhalten Kinder bis 6 Jahre und bei Vorlage der jeweiligen Bescheinigung: Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft mit Partner / Mitglieder des Marbacher Schillervereins mit Partner / Mitglieder des Freundeskreises der Deutschen Schillergesellschaft / Pressemitarbeiter / Mitglieder des Deutschen Museumsbundes, des Museumsverbandes Baden-Württemberg und des ICOM / Inhaber des Landesfamilienpasses / Inhaber von Gutscheinen / Marbacher Schüler.

Ermässigten Eintritt erhalten bei Vorlage der jeweiligen Bescheinigung: Schüler, Studenten, Jugendliche unter 18 Jahren / Besucher ab dem 65. Lebensjahr / Schwerbehinderte (+ eine Begleitperson, wenn der Behindertenausweis mit "B" gekennzeichnet ist) / Vereine und geschlossene Gruppen von mindestens 10 Personen / Empfänger von Arbeitslosengeld II/Sozialgeld ("Hartz IV"). Rabatte (20%) gibt es für Mitglieder des SWR 2 Kulturservice und des BDK (Fachverband für Kunstpädagogik) und Inhaber der SüdBest Card, Rabatt (50%) für Inhaber der "StuttCard" (Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH).

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Kontakt:

Ausstellungssekretariat

Montag bis Freitag 9 –12 Uhr

Tel. 07144 / 848-616

Fax 07144 / 848-690

E-mail: museum@dla-marbach.de