Besatzungskinder und Wehrmachtskinder - Auf der Suche nach Identität und Resilienz
Am 8. Mai 2015 jährt sich zum 70. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges. Zahlreiche Gedenkfeiern und wissenschaftliche Tagungen über die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus sind zu erwarten, aber noch immer gibt es eine Bevölkerungsgruppe, die als sogenannter 'Kollateralschaden' des Krieges aus dem kollektiven Gedächtnis der Nationen schlichtweg herausfällt.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler thematisieren jeweils aus Sicht ihrer Disziplin (Geschichts-, Politik-, Erziehungs- und Literaturwissenschaft) Bedingungen und Folgen des Aufwachsens von Besatzungs- und Wehrmachtskindern in Nachkriegseuropa. Neben Forscherinnen und Forschern kommen auf der Tagung auch Betroffene zu Wort, die darüber berichten und reflektieren werden, wie es aus ihrer Sicht gewesen ist, als "Kind des Feindes" aufzuwachsen.
Das Ziel der Tagung ist es aufzuzeigen, dass bis heute Spuren des Krieges in den europäischen Gesellschaften präsent sind und auch weiterhin Generationen beeinflussen werden. Abschließend wird sich die Tagung der Frage widmen, was man aus der Vergangenheit lernen kann und wie das gewonnene Wissen genutzt werden kann um die Situation der Kinder des Krieges in heutigen Krisenregionen zu verbessern.
Tagungsort: GESIS-Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, Unter Sachsenhausen 6-8, 50667 Köln
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Programm:
Donnerstag 7. Mai 2015
11:30 Registrierung
12:00 Begrüßung
12:15 Grußwort - Mechthild Rawert MdB
12.50 Prof. Dr. Silke Satjukow (Universität Magdeburg): "Kinder des Feindes - Kinder der Freunde". Die Nachkommen sowjetischer Besatzungssoldaten in Deutschland nach 1945
13.25 Prof. Dr. Rainer Gries (Sigmund Freud PrivatUniversität Wien): Les Enfants d'État - Kinder des Staates. Die Nachkommen französischer Besatzungssoldaten in Deutschland nach 1945
14.00 Prof. Dr. Wolfgang Hartung (Universität Duisburg-Essen)0: Marokkanische Besatzungskinder in der Französischen Zone. Situation - Fremdheit - Identität - Resilienz
14:30 Kaffeepause
15:00 Simone Tibelius (Landesarchiv Baden-Württemberg): Vaterschaftsanerkennungen und Unterhaltszahlungen als Ressource für Wehrmachts- und Besatzungskinder
15:35 Dr. Cornelia Burian (University of Calgary): Trauma und Resilienz eines Besatzungskindes - Die Rekonstruktion einer ungebrochenen Identität in Petra Mitchells "Neun Briefe, drei Fotos, ein Name"
16:10 Lesung - Ute Baur-Timmerbrink: "Ich bin ein Besatzungskind". Söhne und Töchter alliierter Soldaten erzählen
16:45 Paneldiskussion mit Wehrmachts- und Besatzungskindern - Winfried Behlau | Thorleif Blatt | Monika Diedrichs | Marianne Gutmann | Ellinor Preuß | Violetta Wallenborn | Arne Øland
Anschließend freie Zeit zur Besichtigung der Fotoausstellung
Freitag 8.5. 2015
09:00 PD Dr. Heide Glaesmer | Dipl.-Psych. Marie Kaiser (beide Universität Leipzig) | PD Dr. Phillip Kuwert (Universitätsmedizin Greifswald): Risiko- und Schutzfaktoren beim Aufwachsen als Besatzungskind des Zweiten Weltkrieges in Deutschland
09:35 Dr. Martin Miertsch et.al. (Universitätsmedizin Greifswald): Psychosoziale Konsequenzen eines Aufwachsens als "Wehrmachtskind" in Norwegen
10:10 Andrea Meckel | Prof. Dr. Ingvill C. Mochmann (beide GESIS und CBS, Köln): Die Lebenszufriedenheit norwegischer Wehrmachtskinder 70 Jahre nach Kriegsende
10:40 Kaffeepause
11:00 Doz. Dr. Barbara Stelz-Marx (Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung): "Ich bin stolz, ein Besatzungskind zu sein." Ressourcen und Resilienzfaktoren von Nachkommen alliierter Soldaten in Österreich
11:35 Azziza B. Malanda, M.A.: "Normal müsst ich kaputt sein." Erfahrungen ehemaliger afrodeutscher Heimkinder in der frühen Bundesrepublik
12:10 Prof. Dr. Elke Kleinau | Rafaela Schmid, B.A. (beide Universität zu Köln): Bildungsbiografien von Besatzungskindern
12.40 Imbiss
Buchpräsentation - "Besatzungskinder. Die Nachkommen alliierter Soldaten in Österreich und Deutschland", hrsg. von Barbara Stelzl-Marx & Silke Satjukow
13:15 Baard Hermann Borge, PhD (Harstad University College): School experiences of collaborators' children 1940-1960
13.50 Dr. Verena Buser (Alice Salomon Hochschule Berlin und Zentrum Jüdische Studien, Berlin-Brandenburg): "Case closed" - UNRRA und die Suche nach eingedeutschten Kindern
14:25 Abschlussdiskussion - Kinder des Krieges in Gegenwart und Zukunft
15:00 Ende der Tagung
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Kontakt:
Bianca Rusch
Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften
Universität zu Köln
Gronewaldstr. 2
50931 Köln
(t) 0221 / 470-4735
(f) 0221 / 470-7753
