CfP: Historische und globale Perspektiven auf den Kriegsschauplatz Asien

AKM Jahrestagung 2022
Datum: 
Mittwoch, 28. September 2022 bis Freitag, 30. September 2022
Ort: 
Heidelberg
Deadline: 
Dienstag, 25. Januar 2022

Die Professur für Zeitgeschichte (Vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung) der Universität Wien lädt in Kooperation mit dem Heidelberg Centre for Transcultural Studies (HCTS) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und dem Arbeitskreis Militärgeschichte e.V. (AKM) zur Fachtagung „Historische und globale Perspektiven auf den Kriegsschauplatz Asien“ ein. Es handelt sich dabei zugleich um die AKM-Jahrestagung 2022, die vom 28. bis 30. September 2022 in Heidelberg stattfindet und in physischer Präsenz vor Ort geplant ist, sofern es die Pandemielage zulässt.

Thema: Historische und globale Perspektiven auf den Kriegsschauplatz Asien

Betrachtet man die Erinnerungskultur zum Zweiten Weltkrieg aus einer nicht-europäischen Perspektive, so fällt beim Besuch beispielsweise US-amerikanischer oder australischer Museen schnell auf, dass der Pazifikkrieg in der dortigen Wahrnehmung des Zweiten Weltkriegs einen zentralen Stellenwert einnimmt. Im Gegensatz dazu sind Facetten dieses global geführten Krieges im deutschsprachigen wissenschaftlichen Diskurs noch immer unterrepräsentiert und werden nur randständig berücksichtigt. Dabei lassen sich Fragen etwa zur Kriegsstrategie, zur Militärorganisation, zum Kriegsgefangenenwesen, zum Einsatz von Zwangsarbeit oder zu Besatzungspraktiken im transnationalen Vergleich gewinnbringend diskutieren. Auch weitere asiatische Kriegsschauplätze wie Tsushima (Russisch-Japanischer Krieg) oder Vietnam sind hinsichtlich ihrer globalen Bedeutung bislang nur unzureichend erörtert worden; antike und moderne Kriegsphänomene wie der „Mongolensturm“ auf Europa sowie die asiatischen Kriege im Kontext der imperialen Expansion und inner-asiatischer Konflikte (Birmanisch-Siamesische Kriege (16. Jhdt.), Mysorenkriege (Indien, 18. Jhdt.)) bieten sich als weitere Themenfelder an, um die Breite des Feldes zu verdeutlichen. Auch die (militärische) Interaktion und Verflechtung zwischen Asien und Europa stehen im Fokus der Analyse.

Um sich diesen skizzierten, übergeordneten Frage anzunähern und das Feld im deutschsprachigen Raum zu etablieren, soll bei der Tagung der „Kriegsschauplatz Asien“ chronologisch breit durch alle Epochen untersucht werden – und das auch mit seinen Aus- und Wechselwirkungen mit dem „Westen“ (Europa und die USA). Im historischen Längsschnitt sollen dabei militärische Konflikte in Asien – lokale Schlachten, nationale Bürger- und Revolutionskriege, Kolonialkriege, der asiatisch-pazifische Raum als Schlachtfeld zweier Weltkriege, die in Asien geführten „heißen Kriege“ des Kalten Kriegs oder auch der etwa in Indonesien und auf den Philippinen geführte „War on Terror“ – und damit verbundene militärgeschichtliche Themenkomplexe aus den verschiedensten Blickwinkeln und Perspektiven thematisiert werden. Darunter fallen beispielsweise auch Fragen nach einem spezifisch „asiatischen Fuß- oder Fingerabdruck“ des Sujets Krieg, einer dezidiert „asiatischen Erinnerungskultur“, einer „Asian Culture of War“ oder einer „asiatischen Kriegsjustiz“. Das um 500 v. Chr. entstandene Werk ‚Sunzi Bingfa‘ (Über die Kriegskunst) zählt beispielsweise in der Militärgeschichte bis heute zu den absoluten Klassikern für Strategie. Gerne werden Vergleiche zwischen diesem aus der Feder des Chinesen Sunzi stammenden Werk mit Clausewitz‘ „Vom Kriege“ gezogen. Eine der übergeordneten Fragen lautet dabei, ob und wenn ja inwiefern es Unterschiede zwischen einer „asiatischen“ Kriegskunst, -entwicklung, -strategie und -kultur und einer westlichen, „amerikanisch-europäischen“ gibt.

Der Call for Papers richtet sich ausdrücklich nicht nur an etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ferner freuen wir uns über Beitragsvorschläge nicht nur von Historikerinnen und Historikern, sondern auch von Kolleginnen und Kollegen aus allen Fächern der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (z.B. Politikwissenschaften, Sinologie, Japanologie, Rechtswissenschaften, …), die zum „Kriegsschauplatz Asien“ arbeiten. Primäre Tagungssprache ist Deutsch.

Denkbare Themenkomplexe für Vorträge sind u.a.:


- Sunzi und die „Kunst des Krieges“
- Expansion der Han-Dynastie (circa 200 vor bis 200 nach Chr.)
- Mongolenstürme in Asien
- Militärische Kampagnen der Ming-Dynastie (14. bis 17. Jhdt.)
- Birmanisch-Siamesische Kriege (16. Jhdt.)
- Mysorenkriege (Indien, 18. Jhdt.)
- Gunpowder Empires (z.B. Osmanisches Reich, Mogulreich)
- Kolonialkriege in Asien
- Opiumkriege
- Boshinkrieg (Japan)
- Militärmodernisierungen in Asien durch den Westen (bspw. Japans durch Preußen)
- Kanonenbootdiplomatie
- Erster- und Zweiter Sino-Japanischer Krieg
- Philippinisch-Amerikanischer Krieg
- Boxeraufstand/Boxerkrieg
- Deutsche und österreichische Kriegsgefangene in Japan (1914-1920) bzw. Alliierte Kriegsgefangene in Japan während des Zweiten Weltkriegs
- Russisch-Japanischer Krieg
- Asiatisch-Pazifischer Krieg/Pazifikkrieg
- Koreakrieg
- Laotischer Bürgerkrieg
- Vietnamkrieg
- Militärische Konflikte im Rahmen der Dekolonisation Asiens nach 1945 (bspw. „Malayan Emergency“ (1948-1960), Indochinakrieg, Indonesischer Unabhängigkeitskrieg (1945-1949))
- Konfrontasi (indonesisch-malaysischer Konflikt, 1963-66)
- Unabhängigkeitskrieg Bangladeschs
- Die Rote Khmer und der kambodschanische Bürgerkrieg
- Indisch-Pakistanischer Konflikt
- Kriege in Afghanistan
- “War on Terror” in Asien (bspw. Indonesien, Philippinen)
- Chinas weltweite Militärkooperationen im Rahmen des Projekts “New Silk Road”
- Japans Wiederbewaffnung in der Nachkriegszeit und die Diskussion um Artikel 9 der japanischen Verfassung
- transnationale Erinnerung in Asien
- Kriegsdarstellungen in asiatischen Filmen oder in asiatischer Literatur


Bitte reichen Sie Ihre Vortragsvorschläge bestehend aus einem kurzen Abstract (500 bis 750 Wörter) und einem akademischen CV bis zum 25. Januar 2022 per E-Mail an die Organisatoren der Tagung, Prof. Kerstin von Lingen und Dr. Takuma Melber, ein: takuma.melber@hcts.uni-heidelberg.de


Die Veröffentlichung ausgewählter Beiträge in Form eines wissenschaftlichen deutschsprachigen Sammelbandes im Anschluss an die Tagung ist geplant.